Hilfe bei Glücksspielsucht

Hilfe bei Glücksspielsucht: Anlaufstellen und Selbsttests

Wenn du dir Sorgen um dein Spielverhalten machst — du bist nicht allein. Diese Stellen helfen anonym und kostenlos.

Telefonische Beratung

BZgA Sucht & Drogen Hotline: 01806 313 031. Spielsucht-Hotline: 0800 137 27 00. Beide rund um die Uhr, anonym, kostenlos.

Selbsttests und Online-Hilfe

check21.de bietet anonyme Selbsttests und Beratungschat. Auf check-dein-spiel.de findest du Selbsthilfegruppen in deiner Nähe.

Bei akuter Krise

TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 — rund um die Uhr, anonym.

Wer professionelle Hilfe anbietet

In Deutschland gibt es ein engmaschiges Netz an Beratungs- und Therapieangeboten für Menschen mit Glücksspielproblemen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA betreibt eine kostenlose Hotline unter 0800 1 372 700, die rund um die Uhr besetzt ist. Die Beratung ist anonym und vermittelt bei Bedarf an regionale Anlaufstellen.

Ergänzend gibt es Check dein Spiel, ein Online-Angebot der BZgA mit Selbsttests, Informationsmaterial und einer Chatberatung. Die Caritas, die Diakonie und die AWO unterhalten eigene Suchtberatungsstellen in fast jeder Stadt, oft mit Spezialisierung auf Glücksspielsucht.

Therapieformen

Die Verhaltenstherapie ist die meistgenutzte Form bei Glücksspielsucht. In zwölf bis fünfundzwanzig Sitzungen arbeitest du mit einem Therapeuten an den Auslösern deines Spielverhaltens, an Alternativen zum Spielen und an Strategien für schwierige Situationen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen nach einer Diagnosestellung.

EMDR ist eine ergänzende Methode, die bei zugrundeliegenden traumatischen Erfahrungen wirkt. Sie wird oft kombiniert mit der Verhaltenstherapie. Eine stationäre Behandlung in einer Suchtklinik dauert zwischen sechs und zwölf Wochen und ist sinnvoll, wenn die häusliche Umgebung den Veränderungsprozess erschwert oder eine ambulante Therapie nicht ausreichend ist.

Selbsthilfegruppen wie Anonyme Spieler arbeiten nach dem Zwölf-Schritte-Programm und treffen sich in vielen deutschen Städten wöchentlich. Die Teilnahme ist kostenfrei, anonym und ohne Voranmeldung möglich. Für viele Betroffene ist die Gruppe ein wichtiger sozialer Anker während und nach der Therapie.

Erste Schritte

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Spielverhalten ein Problem ist, beginne mit einem ehrlichen Selbsttest. Der South Oaks Gambling Screen ist in zehn Minuten ausgefüllt und liefert eine erste Einordnung. Bei einem auffälligen Ergebnis ist der Anruf bei der BZgA-Hotline der nächste Schritt. Das Gespräch ist anonym und unverbindlich.

Sprich mit einer Vertrauensperson. Spielsucht lebt von der Geheimhaltung, und das Aussprechen ist oft der erste Befreiungsschritt. Die Person muss nichts an deiner Stelle lösen, allein das Wissen, dass du nicht alleine bist, hilft.

Beantrage parallel eine Selbstsperre bei Fast Slots und allen anderen Anbietern, bei denen du ein Konto hast. Das deutsche Sperrsystem OASIS ermöglicht eine zentrale Sperre, die für alle in Deutschland lizenzierten Anbieter gilt. Eine Eintragung erfolgt über das Konto eines lizenzierten Anbieters oder direkt bei der Glücksspielbehörde der Länder.

Finanzielle Soforthilfe

Wenn Spielsucht zu Schulden geführt hat, ist eine Schuldnerberatung der nächste Anlaufpunkt. Caritas, Diakonie und Verbraucherzentralen bieten kostenlose Beratungen an. Eine Privatinsolvenz ist als letzte Option möglich und führt nach drei Jahren zur Restschuldbefreiung. Der Weg dorthin braucht eine geordnete Aufstellung der Schulden und ein Schreiben an die Gläubiger.

Eine Sperre der eigenen Kreditkarten und ein Wechsel auf eine reine Debitkarte mit fester Verfügungsbedingung helfen, neue Schulden zu vermeiden. Eine Vollmacht über die Finanzen an eine Vertrauensperson kann sinnvoll sein, ist aber juristisch sorgfältig zu gestalten. Eine rechtliche Beratung über einen Fachanwalt für Familienrecht ist hier empfehlenswert.

Unterstützung für Angehörige

Angehörige tragen oft eine schwere Last. Sie sehen die Folgen des Spiels im Alltag, müssen mit Lügen und finanziellen Konsequenzen umgehen und fühlen sich oft selbst hilflos. Die BZgA-Hotline berät auch Angehörige und vermittelt an spezialisierte Beratungsstellen. Selbsthilfegruppen für Angehörige wie Gam-Anon bieten den Austausch mit Menschen in vergleichbarer Situation.

Wichtig ist, dass Angehörige sich selbst nicht in die Therapeutenrolle drängen lassen. Die Verantwortung für die Veränderung liegt beim Betroffenen. Angehörige können unterstützen, indem sie auf konsequenten Grenzen bestehen und die Therapieschritte begleiten.

Langfristige Stabilität

Nach einer akuten Krisenphase ist die langfristige Stabilisierung das Ziel. Regelmäßige Selbsthilfegruppen-Treffen, eine Auseinandersetzung mit den persönlichen Auslösern und ein erfülltes soziales Leben ohne Glücksspielangebote sind die drei Säulen. Die Selbstsperre sollte für mindestens zwei Jahre aufrechterhalten werden, idealerweise dauerhaft.

Rückfälle sind häufig und kein Versagen. Wichtig ist, sie nicht als Endpunkt zu sehen, sondern als Hinweis, dass die bisherige Strategie angepasst werden muss. Der Kontakt zum Therapeuten oder zur Selbsthilfegruppe ist in dieser Situation entscheidend.

Beratungslandschaft in Deutschland

Deutschland verfügt über ein dichtes Netz an Beratungsstellen für Glücksspielsucht. Etwa 1.400 Suchtberatungsstellen bieten kostenlose Erstberatungen an, davon haben rund 300 eine Spezialisierung auf Glücksspielsucht. Träger sind die freien Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie und AWO sowie kommunale Einrichtungen.

Die Anlaufstellen sind in der Regel ohne Termin erreichbar, eine telefonische Voranmeldung verkürzt aber die Wartezeit. Erstgespräche dauern 45 bis 60 Minuten und sind ein orientierender Austausch ohne therapeutische Intervention. Auf Basis dieses Gesprächs wird eine Empfehlung für das weitere Vorgehen ausgesprochen.

Wege in die Behandlung

Eine ambulante Verhaltenstherapie ist die häufigste Behandlungsform. Sie wird von approbierten Psychotherapeuten durchgeführt und von den gesetzlichen Krankenkassen ohne Selbstbehalt bezahlt. Die Wartezeit für einen Erstkontakt liegt je nach Region zwischen vier und sechzehn Wochen. Eine Verkürzung der Wartezeit ist über die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung möglich, die innerhalb von vier Wochen einen Termin vermittelt.

Eine stationäre Rehabilitation in einer Suchtklinik dauert sechs bis zwölf Wochen. Sie wird von der Rentenversicherung finanziert und ist besonders bei schweren Verläufen, sozialen Krisen oder fehlender Stabilität im häuslichen Umfeld sinnvoll. Die Beantragung erfolgt über die Suchtberatungsstelle in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt.

Eine Online-Therapie über Anbieter wie Mindwave oder Sanevo ist eine moderne Ergänzung. Die Sitzungen finden per Video statt und bieten besonders Berufstätigen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität einen leichteren Zugang. Die Wirksamkeit ist mit der klassischen Präsenztherapie vergleichbar.

Selbsthilfegruppen im Detail

Anonyme Spieler ist die bekannteste Selbsthilfegruppe und in über 200 deutschen Städten mit wöchentlichen Treffen vertreten. Das Programm basiert auf den Zwölf Schritten der Anonymen Alkoholiker und arbeitet ohne professionelle Leitung. Die Teilnahme ist anonym, kostenfrei und ohne Voranmeldung möglich. Eine Liste der Treffen findest du auf der Webseite der Anonymen Spieler.

Glücksspielfreie Foren und Online-Selbsthilfegruppen sind eine Ergänzung für Personen, die den Schritt zu einer Präsenzgruppe noch nicht gehen wollen oder können. Die Plattform Check dein Spiel bietet einen moderierten Chat sowie ein themenbezogenes Forum.

Selbsthilfegruppen für Angehörige wie Gam-Anon arbeiten nach ähnlichen Prinzipien und bieten den Austausch zwischen Partnern, Eltern oder Kindern von Betroffenen. Der Fokus liegt auf der Bewältigung der eigenen Situation, nicht auf der Veränderung des Betroffenen.

Akute Krisen

In akuten Krisensituationen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr kostenfrei erreichbar. Die Beratung ist anonym und nicht auf Glücksspielsucht spezialisiert, kann aber bei suizidalen Gedanken oder schweren emotionalen Krisen schnelle Hilfe bieten.

Bei akuter Selbstgefährdung ist der Anruf bei der 112 oder der Gang in die nächste psychiatrische Notaufnahme der richtige Weg. Eine Akutaufnahme erfolgt unbürokratisch und ist auch ohne vorherige Anmeldung möglich.

Schuldenberatung und finanzielle Hilfe

Eine kostenlose Schuldnerberatung ist über die Caritas, die Diakonie, die Verbraucherzentralen und kommunale Stellen erreichbar. Die Beratung umfasst eine Bestandsaufnahme der Schulden, Verhandlungen mit Gläubigern und gegebenenfalls die Vorbereitung einer Privatinsolvenz.

Eine Privatinsolvenz dauert nach der Reform 2020 nur noch drei Jahre statt früher sechs Jahre. Voraussetzung ist ein Insolvenzplan, der den Gläubigern eine teilweise Befriedigung zusagt. Nach Ablauf der drei Jahre erfolgt die Restschuldbefreiung. Die Lebensumstände in dieser Zeit sind eingeschränkt, ein pfändungsfreier Betrag verbleibt jedoch monatlich.

Soforthilfe für laufende Verbindlichkeiten wie Miete oder Energie ist über das Sozialamt möglich. Eine Übernahme der laufenden Kosten erfolgt im Rahmen der Grundsicherung, sofern Bedürftigkeit nachgewiesen wird. Spielsucht ist als Erkrankung anerkannt und kann eine Erwerbsminderungsrente begründen.

Wege zurück in den Alltag

Nach einer akuten Krisenphase ist die Rückkehr in einen strukturierten Alltag zentral. Regelmäßige Tagesabläufe, soziale Kontakte ohne Glücksspielbezug, körperliche Aktivität und neue Hobbys ersetzen das, was das Spielen vorher gefüllt hat. Die Therapie unterstützt diesen Prozess durch gezielte Aufgaben und Reflexion.

Der Arbeitsplatz ist häufig ein Bereich, in dem die Auswirkungen der Sucht sichtbar werden. Eine Wiedereingliederung nach einer Rehabilitation erfolgt schrittweise über das Hamburger Modell, das eine stufenweise Erhöhung der Arbeitszeit über mehrere Wochen vorsieht. Der Arbeitgeber wird in Absprache mit dem Betroffenen informiert.

Beratung in der Schweiz und in Österreich

In der Schweiz bietet die Plattform Sucht Schweiz unter der Telefonnummer 0800 104 104 eine kostenfreie Beratung in mehreren Landessprachen. Eine Liste der regionalen Suchtberatungsstellen ist auf der Webseite einsehbar. Die Beratung ist anonym und kann auch online über einen verschlüsselten Chat erfolgen.

In Österreich ist die Spielerhilfe unter 0800 201 440 erreichbar. Sie wird von den Bundesländern und der Spielsuchthilfe Wien getragen. Eine Spezialisierung auf Online-Glücksspiel ist vorhanden, ebenso ein Angebot für Angehörige. Für eine therapeutische Behandlung gibt es spezialisierte Einrichtungen wie die Anton-Proksch-Institut Klinik bei Wien.